Valentin, Karl & Keaton, Buster

die meister der schrägsten analogiemissgeflicktheiten: wenn sprache und auftritt planeten bewegen könnten, dann hätten wir jetzt eitel sonnenschein.
oder: wenn nullmetaphern (das dasein im glücksgefühl des überraschtseins durch die unübersetzbare abweichung im ‚normativem denk-strom (kurzschluss = überschluss)) ohne in erzählungen zu verenden alltag und erfüllung allen glücks würden: dann könnte ich mich doch auch wieder ohne sprache ausdrücken.

> marx brothers > die erleuchtende klorolle > jean paul

[mvs:030313 etc.]

Vallée, Geofroy

und ganz zuerst halt: er hat gelebt und gedacht von 1535 – 1574, bis zu seinem gehängt und verbrannt werden in paris wegen häresie und blasphemie. es gibt menschen, die lernt man zufällig kennen, ohne recht zu wissen, warum und was man mit ihnen nun zu tun haben will – so der geofroy vallee, geoffry, der gottfried oder was immer. nur: er hat einen kurzen text geschrieben mit dem titel:

„L’art de ne croire en rien“ – oder auch „La béatitude des Chrétiens ou le Fléau de la foy„ gedruckt 1572. auch wenn im subtitel ein eher enigmatisches „Natif d’Orléans, fils de Geoffroy Vallée et de Girarde Berruyer, auquels nom des père et mère assemblés,“ ( il se trouve) : „Lerre geru vrey fleo D / Le Foy bigarrée / Et au nom du fils / Va fleo règle foy / Aultremont / Guere la Fole Foye. / Heureux qui sçait / Au sçavoir repos“ folgt: der mann hat sich mit seinem überzeugten atheismus so weit von allem entfernt, was damals öffentlich sagbar war, dass ich mich wundere, warum er das gemacht hat: das war ein provozierter suizid. aber der text ist klar und luzid – nur: den tod hätte man ihm dafür nicht geben müssen. aber ganz klar waren die schwarzpulverköpfe auf ihre macht versessen – und noch einer, der die klarsicht in den weihrauchnebel bringt, ist nicht von dieser welt, aber ganz anders als ihr ‚meinreichistnichtvondieserweltkreuzanhänger’; er ist nicht von dieser schwarzmagieteufelsglaubenswelt sondern er ist von einer überzeugten weder wenn- und auch nicht aber-gläubigkeit: er ist ein ne croire en rien. ein weder noch nicht gläubiger. und dann ist noch festzuhalten, dass er gehängt und verbrannt wurde – wegen diesem text. das muss man nochmals sagen: gehängt und verbrannt, weil er etwas gedacht und gesagt hat.

SEw vallee La beatitude des chrestiens ou ...Vallee Geoffroy bpt6k71722w001

das bild ist von einer abschrift seines textes, die der anklageschrift beigefügt war. (BnF:Gallica)

[mvs:170421]

Vallès, Jules

1832 – 1885. er stirbt an diabetes.


geboren in le puy. arbeitet im rathaus in vaugirard und schreibt gelegentlich für den figaro und la liberté. gelegenheitsjobs immer wieder. teilnahme an der commune de paris 1871, gibt den ‚cri du peuple’ heraus – am tag des ausbruchs der revolution erreicht die zeitung eine auflage von 100'000 exemplaren. nach dem zusammenbruch der commune versteckt er sich bei freunden - es sollen vier junge männer als ‚jules vallès’ erschossen worden sein. er flieht im september 1871 nach belgien, 1873 nach london und schreibt unter pseudonymen für französische zeitungen. 1880 amnestie für die communards, er kehrt nach paris zurück und arbeitet als journalist. 1885 stirbt er an diabetes, an der er in london erkrankt ist. an seinem begräbnis nahmen 60'000 sozialisten teil.


1972 habe ich prosper lisseragays ‚geschichte der commune von 1871’ gelesen – in der etwas naiven erwartung, etwas über die entstehung und strukturen von kommunen zu erfahren. ganz schnell wurde mir klar, dass es sich da um eine darstellung von staatsmacht und aufstand handelt, die im brutalsten blutvergiessen endet. ausser dass sich da doch etwas bewegte gegen den dumpfen, korrupten bürgerlichen staatsapparat war nichts erfreuliches zu lesen. die communards sind nicht besonders solidarisch untereinander und der staat wehrt sich mit gewehren und erschiessungskommandos jenseits jeden humanitären rechts. beidseitig werden geiseln exekutiert. erschiessungspeletons und hunderte gefangene. mord und totschlag. in den kämpfen und den folgenden massenexekutionen wurden ungefähr 30'000 menschen getötet. eine erschütternde und desillusionierende lektüre war das – eine einführung in staatskunde, wie sie die schule nicht lehrt.


2006, als ich ein halbes jahr in paris war, stiess ich auf jules vallès ‚tableau de paris’ – ich las ja alles über paris, was mit der kritischen attitüde von mercier geschrieben wurde. da waren dann seine romane erwähnt. seine unkonventionelle erzählweise ist passend zu seiner widerständigen lebensweise und sein undogmatischer blick auch auf die kommunarden ist ehrlich. offenbar war er weder ein theoretiker noch ein scharfer politischer analyst – und drum auch alles andere als diplomatisch. die trilogie ist gewidmet: „ A tous ceux / qui crevèrent d’ennui au collège / ou / qu’on fit pleurer dans la famille, / qui, pendent leur enfance, / furent tyrannisés par leur maitres / ou / rossés par leurs parents, / Je dédie ce livre.“ („Allen, die in der Schule vor Langeweile umkamen / oder / zu Hause weinten, / die in der Kindheit / von ihren Lehrern tyrannisiert / oder / von ihren Eltern verprügelt wurden, / widme ich dieses Buch.“ )


bei ihm war wohl, glaubt man seinem autobiogrphischen roman, beides der fall, auch wenn ihn der tod seines vaters 1857, so die berichte, trotz seines schlechten verhältnisses tief traf und den seiner mutter 1872 sehr schmerzte. das eine schliesst das andere nicht aus.
und: ‚Mein Stolz ist sozialistisch, nicht literarisch.’ dass er seine träume von einer gerechten gesellschaft nicht aufgegeben hat, ist erstaunlich und schön.


jaques vallès wurde in le puy geboren, ein ort, den ich in den achtzigerjahren mal besuchte, ein ort, der von klöppelspitzentouristen lebt. in einer kirche hatte es – im museum? – folterinstrumente, die offenbar zur selbstzüchtigung und selbstgeisselung bei rituellen umzügen von religösen masochisten verwendet wurden. das hat mich doch sehr beeindruckt : selten wurde mir religiöser wahn physischer vorgezeigt. in der höhe auf einem felszack muss es da auch eine riesige muttergottes geben, so meine ich zu erinnern, die über der ebene, die mir sonnig beschienen scheint, aufragt und zu der man hinaufsteigen kann. nie wurde mir der ‚französische’ katholizismus präsenter als in dieser verkitschten masochistischen verklemmtheit – etwas ganz verlogenes liegt in dieser stadt, und ich erinnere sie drum, dem sonnenbeschienenen umland, das sich wohl auch nur als parallelerinnerung gegen den mief sträubt, als grau und verregnet. vielleicht noch etwas weihrauchduft, aber auch da bin ich mir nicht sicher.


lit.: - prosper lissagaray: geschichte der commune von 1871. suhrkamp 1971 (fea 1877)
- jules vallès: ‚jaques vingtras (trilogie) : l’enfant 1879, le bachelier 1881, l’insurgé 1885. dt.: jaques vingtras. übers. christa hunscha 1979.
- jules vallès: le tableau de paris (2006)
- louis sébastien mercier: tableau de paris (1781); nouveau tableau de paris (1799)

> commune de paris 1871 > spinoza: theologisch-politischer traktat; politischer traktat > macchiavelli: il principe > mercier > vendôme

[mvs:060818/151110]

vegan

so ganzfest vegan auf allen ebenen zu sein ist mir nicht gegeben – aber ich bemühe mich, sprachvegan zu sein. die diffamierung der tiere durch die kronen der schöpfung durch vergleich scheint mir doch so dumm, wie tiere nicht sind. man sollte tiere nicht beleidigen, indem man sie mit menschen vergleicht – und gar noch zum zwecke, den menschen als der krone unwürdig zu schimpfen. ich enthalte mich also der dummen kuh, des blöden esels, der dreckigen sau, des schafkopfs und schafseckels, der dummen gans, des toplatschigen bärs und ähnlichen tierentwürdigenden pejorativa.
(auch altersweise silberrücken taugen nicht als schimpfwort für dominante menschenmännchen.)
fleissige bienen und emsige ameisen, der schlaue fuchs und die weise eule fallen aus diesen gründen halt auch weg.

> tierfabeln

[mvs:170529]

vegetebale

don’t even know how to spell vegetable anymore, so i assume that i am one – but i might misspell myself. can’t read myself anymore oohmmm. no kidding, eddie.

> can't read the real thing

[mvs:040322]

Vendôme

courbet trat mit anderen künstlern (daumier, corot, manet, millet : man müsste alle kennen, alle nennen : spricht sehr für sie) am 16. april 1871 als gemeinschaft (die sich am 14. april gebildet hatte) der commune bei. am 12. april beschliesst die commune, die ‚menschenverachtende’ vendômesäule, die die sieger feiert und die besiegten der französischen macht verhöhnt und unter napoleon errichtet wurde, abzubrechen. „ce monument de barbarie, un symbole de force brute et de la fausse gloire, une affirmation du militarisme, une negation du droit international, une insulte permanente des vainqueurs aux vaincus, un attentat perpétuel à l’un des trois grand principes de la république française, la fraternité“ : so stand es als begründung im beschluss. es ist schön, wie die franzosen nicht einfach sagen „das teil sieht scheisse aus und ist ein symbol der unterdrückung“, sondern das blumig und vielwörternd beschreiben : weil es wurde einfach demokratisch aufgeschrieben, was so den einzelnen sitzungsteilnehmern eingefallen ist. am 16.mai fiel die säule. und am 30.mai 1873, zwei jahre später beschliesst die regierung macmahon, die sieger über die commune, die säule wieder aufzubauen, die kosten (323 091 francs – eine riesensumme) sollte courbet bezahlen : mit dem verkauf seiner bilder. courbet ist 1871, nachdem er zu 6 monaten gefängnis und 500 francs busse verurteilt wurde, in die schweiz exiliert und starb da 1877. jetzt steht das hässliche teil wieder : aber in dem quartier wohnen die reichen und die sieger : da sind auch die teuren läden wie cartier und alle anderen de luxe produzenten und die teuren hotels : der platz ist aber trotzdem schön, wenn man die säule und einige andere immobili- und mobilitäten wegdenkt.
schon etwas frech vom staat : erst stellt ein mehr oder weniger selbsternannter kaiser selbstverherrlichend das zeux auf, das als kunst gelten soll, dann reisst das volk mit kunst- und geschichtssinn das zeux weg und dann soll ein künstler, der wirklich gute arbeit macht, die wiedererrichtung des drecks noch bezahlen : das ist nicht nur paradox, das ist zynisch.

> wissenschaft, absent

[mvs: 061125]

Venedig

der friedhof der ‚heiden’, ‚barbari’ (ich erfind das alles, hab vergessen, wie das nach reiseplan (charon) heisst) : da möchte ich schon gerne liegen, modern, entsorgt sein: ungepflegt. (auch ein platz, wo man nicht hinkommt : topia, utopia – sehnsüchte werden auch im tode nicht erfüllt. naja – who cares. (ein feines lächeln der gnostiker: - auch erfreulich: lasst mich einfach erst mal ausschlafen. (agnostiker dito.) (und alle andern schäfchen.) (ich kann die tiere ja nie genug loben, trotz „psycho“ (nicht so ganz dabei, weil nicht von *** behaucht) und „pneumo“ (dabei, weil vom *** beatmet)) psycho ist schon ein guter anfang (reinkarnation als katze auf meinem schoss ist etwas, was ich mir wünsche : double double) – give me a break : oder: competition sucks! ganz banal: was hat uns die pneumatik gebracht? die einsicht oder den winterpneu? oder was? die einsicht in die mortalität? jawohl! das schon. und dann kill kill töt – entsorgung wo sich was bewegt. gnosis, agnosis, metamorphosis, thanatophobis, thanatophilosophis: ich würd mir ja wünschen, dass wir das später nochmals diskutieren könnten, aber ich war noch nicht dort. ich halt mich noch ans kleine schiffchen. ich fahr mal dahin – oder dorthin. wer weiss.)

> kulturschock > charon > schifffahrt

[mvs:010209]

verbrechen !

„ich nicht – er auch“ : schönster quote ever : „it happend“ : most horrible quote ever.
wer bestimmt schuldgefühl : wer lehrt ethik.

[mvs:070105]

also mamchmal, zum beispiel heute, möchte ich ein verbrechen begehen : vielleicht so lieb sein zu jemandem, dass es sie umbringt, dann aber, grad wieder, will ich so lieb sein, dass kein tod nimmer nimmer je auftödelt : dass das liebseinohnetod grad ewig dauert. so ist es, gäll. dass das liebesverbrechen : so lieb so fest nur heisst : es gibt keinen tod. es gibt nur leben. der skandal ist der tod. die liebe ist der skandal gegen den tod. (das klingt bitz surrealistisch – aber ich mein das heute, so ganz für mich. nicht als attitude. eine aussage weitweg von kunst und irgendwelchen ismen oder dogmen : ich spreche für mich. das, ein weiteres verbrechen gegen das ‚gemeinwohl’, das eh jeder für sich definiert und keiner so richtig jenseits parteigelafer formulieren kann – und es gibt viele, die das weder können noch wollen.

[mvs:080301/090421]

verfertigung der gedanken, über

über die verfertigung der gedanken beim sprechen (kleist)


„La pensée se fait dans la bouche.“ tristan tzara (in leiris : journal)

vergessen I

die enzyklopädie, der computer beginnen mich zu verwirren. die ordnung versetzt mich in unordnung und einen zustand der vergesslichkeit.
ich weiss nicht mehr genau, was ich schon geschrieben habe.ich weiss nicht, was alles im computer ist. ich stosse in der ordnung und vielfalt auf dinge, die ich vergessen habe. es ist eine riesengrosse gerümpelkammer.
die enzyklopädie veranschaulicht mir meine vergesslichkeit. sollte ich nicht mehr vergessen? ich werde durch existierende lemmata an texte erinnert, die ich fantasiert habe und schreiben wollte und nicht geschrieben habe.
soll ich mich jetzt am unfertigen freuen? das fragmentarische ist der fragmentierung ausgesetzt – gegentendenz zu den fragmenten, die sich zusammenfügen.

> computer > logorrhoe

[mvs: 920216]

vergessen II

vergessen ist eine hinterlistige angelegenheit. jetzt wurde ich von einem telefonat (?was für ein wort?) unterbrochen. später mehr. je mehr man vergisst, desto komplexer wird der diskurs (vergessen vernichtet nicht, es ist (das vergessene) nur nicht gegenwärtig – ‚es’ wird wieder auftauchen, aufschauen, erscheinen: sagt man dem ‚es’ (jetzt existentialien? = anwesend, grundsätzlich), auch wenn man sie (die oder das ‚esse’?) nicht wahrnimmt? ein gutes beispiel dafür ist: je theoretischer das nachdenken über vergessen wird, desto vergesslicher wird das nachdenken – wenn das nachdenken aber auf bilder stösst, dann wird es unvergesslich (eine gewagte behauptung, eingestanden, aber was sonst ersetzt das brummen des frühkindlich wahrgenommenen teddybären?: ich brumme, stimme sei dank, heute noch wie ein teddybär. in aller selbstvergessenheit.) dazu (zum ‚es’ = ‹esse’) gibt es keine vergesslichkeit.
‚esse’ ist der permanentflick ohne flickhandbuch. geflickt ist ‚es’ aber in permanenz (perpetuitiv).


> freud, sigmund

[mvs: 030505]

vergessen III

vergessen, vergangen, verlustig :
Bereschit (hebr.: Am Anfang) „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott. Und Gott war beim Wort. Und das Wort war bei Gott.“ das ist eine langweilige geschichte, weil ein bitz selbstreferenziell. die beiden dachten sich, dass sie sich nicht so viel zu sagen haben : „ein gott, ein wort“, das erschöpft sich. das wort wollte fort und ging, wer weiss wohin. und gott schuf himmel und erde, und die waren wüst und öde, und finsternis lag auf der urflut, und der geist gottes schwebte über den wassern. da hat er licht gemacht, und da sah alles etwas anders aus, aber auch noch nicht so sehr fest. und den rest der geschichte können wir jeden tag im tageslicht sehen und jede nacht bei nachtlicht.

[mvs: 070521]

verkommen

ich möcht so sehr verkommen sein, dann könnt mich keiner flicken.

> stimmigkeiten > lichtenberg > irreführung > missverständnis > anarchie > unsinn vögelt sinn: zwillinge!

[mvs: 030619]

vermehrung, fussnoten

die anmerkungen, ausweitungen des kontextes dürfen durchaus mehr platz einnehmen als der ‚text’ - sind nicht abschweifungen, ablenkungen, ‚cock and bull stories’ die wirkliche füllung der lebenspastete? (und hier natürlich einen grossen dank an jean paul friedrich richter, der bei meinem picnic nicht fehlen darf.) ((und in diesem zusammenhang darf vielleicht auch erwähnt werden, dass die physische reproduktion im sinne von lärmvermehrung und genetischem overkill nicht zwingend mitgemeint ist: es gibt die vermehrung qua emphatie zu anderen species (was immer das jetzt wieder meint: in meinem überschwang verwechsle ich wohl wieder genetischen code mit den katzenhaaren in allen ecken meines zimmers.)))

[mvs:990606]

vermittlung : pömlecture / pömdundance

manchmals, wenns mir wirklich gut geht, dann bin ich ein guter vermittler (meiner selbst und anderem, das ich auch für welt wahrnehme, halt). transformator auch von irgendetwas. aber ganz sehr : von nichts zu nichts. aus einem zustand wird ein anderer zustand. aus tausenden von aggregatszuständen die grad (im momentum) wichtigen wenigen zusammenführen, das ist das, was ich pöms nenn. sonst ist nichts zu berichten, grad jetzt. ausser : eben dieses.


(die scheinbare redundanz der selbstreferentiellen aussagen soll nicht als ‚redundere’ auflangweilen. die selbstreferentielle multitudia ist eine vermehrung in selbstrefrequenzieller überlagerung : das ist : eine unglaubliche, aber endliche, vielfalt von erlebnissen eines individuums verblablat in pömschem konzentrat. das perpetuum mobile in all seinen descriptierten formen ist die technische conjugation mit der pösie.)


‚dundanz’ ist der term, der die conjugation des perpetuum mobiles mit dem momentum bezeichnet. (das hab ich grad jetz dem eidgenössischem institut für geistiges eigentum angemeldet, ohne skizze (wär ja noch schöner), aber mit empathie – das sollte wohl reichen).


eine weitere, mich nicht besonders erstaunende assoziation zu ‚frequenz’ ist ‚weasel’ (das wiesel, flinkes tier mit grossem, leider noch unentdecktem mythologischem potenzial) – aber ausschliesslich in englischer aussprache, die auf deutsch etwa ‚wiesel’ nahekommt. das wiesel kommt der dundanz nahe : es übersetzt sich oft und schnellt von nichts zu nichts in flinkem überflug.


(das hab ich geschrieben unter dem einfluss eines talks im tv zwischen äschbacher und einem glückshormonforscher, dem ich am liebsten einen schoppen gegeben hätte, damit er endlich glücklich (und still wird). ist alles freak show : hier wie dort wie überall : let’s dance with ‚dundance’.)


beispiel :


ein katz
endlos
(scheinbar)
seine kacke
in ein katzenklo
bodenlos
verscharrt


ich wache


(ha! : cogito ergo sum, gäll!, sagt der katz)


also über pöms und weasels möchte ich in nächster zeit nichts mehr sagen – das führt wohl nirgendswohin. und da bin ich schon.
warum geht das nicht? ich weiss es nicht. aber ich werd jetzt gut schlafen : mit einem weasel links vom bein und einem rechts vom bein.


that’s pömdundance.

> pöms > oberton > frequenz

[mvs:070928]

verschwiegenheit

„Verschwiegenheit wird darum so schwer, weil sie oft gar keine Gränzen der Dauer kennt.“


jean paul: giannozzo

> geständniszwang > soziale impertinenz

verschwörungstheorien

wenn information oder wissen von herrschender seite als einzige wahrheit dargestellt wird, sich also dem diskurs des fragens und zweifelns zu entziehen sucht, oder wenn etwas so unglaublich scheint, dass es in das vorhandene denkgebäude nicht zu integrieren ist, dann treten die verschwörungstheoretiker auf. recht haben sie immer in bezug auf das denkverbot: wo denken auf befehl ausgeklammert werden soll, stimmt etwas nicht. die vielfalt und widersprüchlichkeit der gegendarstellungen der verschwörungstheoretiker lässt jedoch vermuten, dass auch bei ihnen nicht hochgradig reflektierte motive anlass zum widerspruch sind, sondern dass sie ihr weltbild retten möchten. einige rezente fälle, die noch auf klärung warten: die ermordung von john f. kennedy, die mondlandung (auf dem mond oder in der wüste nevada nachgestellt), alle UFO-ereignisse und die twin towers.


[mvs:040115]

 

wie kann man über verschwörungstheorien reflektieren, wenn doch alles eine verschwörung ist?

> fleck, der blinde > röhrenblick > glaube

[mvs:060712]

verschwunden, (temporär?)

„How are you? I am ok.“ „Wie geht es Dir? Mir geht es gut.“ die zeitlücke flicken, nicht unbedingt erzählen, was sich da alles ereignet hat. bei katzen hat paul leyhausen das als ‚übergangsschnuppern’ bezeichnet – wenns den katzen so ein bisschen peinlich oder unangenehm wird, wenn sie eine situation ‚entfliehend’ flicken müssen, dann schnuppern sie ein bisschen an der umgebung rum, tun als ob nichts wichtiges los wär. und hoffen, dass nachher alles wieder seinen ‚normalen lauf’ nimmt.


[mvs:031104]

 

verschwinden als permanentes dasein ist auch grad die „wer bist du, wer bin ich“ variante : im selbstverlust sich nichtwahrnehmend : die leberwurst im kühlschrank, die vorne grün wird, hinten seltsam rosa : eine erotik des dahinschwebens auf selbstgebastelten schlittschuhen auf unerwartetem eis : pioniere wünscht ich mir, die ins ungefähre trappen : ungefähres wünsch ich mir : und wupps : ist schon da : und dann zittere ich vor mir und dem gefährt.

[mvs:081224]

verstand, ein, der nicht auf der lauer liegt

„Der Verstand müsste ungewappnet bleiben, auch dann noch, wenn er diesen Sinn berührt.“ (lyotard, sensus communis)
manchmal lese ich ganze bücher in einer seltsamen unruhe nur, um vielleicht irgendwo auf so einen leuchtenden satz zu stossen. was für eine schöne und erschreckende vorstellung: ein wehrloser verstand, ein denken so blutt wie ein denken nur sein kann, ganz auf sich allein gestellt. das hat nichts mehr mit dem aufklärerischen mut zu tun, sich des eigenen verstandes zu bedienen, einer art technischem imperativ: denken als gerät, als mittel zum zweck. lyotard meint ein ganz anderes denken: démuni, schutzlos, wehrlos, unverteidigt, als hätte er das für léautaud geschrieben oder für jean paul oder für stendhal, für die, die ihre gedanken nie in einen bunker steckten, ihnen keine tarnkappen anzogen.


[lh:071119]


lesen : als dasein : nur um auf die nächste welt zu kommen, und auf die wiedernächste, und mit sprung (sic!) auf die wiedereigene : alles daheim, zuhause : das, was man dann, etwas befremdet, als ‚ich' benennt : die wunderliche erlebinstanz. aber ausser der gibts gar nichts. ich besteh drauf : es gibt ein wahrnehmendes ich (subjekt) : nur, was dann die philosophien aller konveniez draus abschöpfen, ist mir brachwasser.
[anonyme antwort in lh blog]


(ganz befremdet les ich diesen ‚kommentar’ zum lh eintrag : er ist, als wär er von mir, und doch könnte er auch von einem guten stimmenimitator geschrieben sein. auf ein ‚zuhause’, ein ‚daheim’ referier ich nicht : das ist nicht meine herkömmliche referenz : universalien : ‚aus aller welt’ : )

> novalis > warten > etc.

[mvs:071120]

verwirrung

„ja, woher denn!“ das erstaunen über das aberrende der errenden. warum denn, wenn alles daerrende sich seiner so platzig ist? ist alles aberrende nicht auch genau da wo es errt? schnell weg, dahin wo die errtronen blühn, gäll!

SEw verwirrt

[mvs:070720 & pix:06.... : paris: in einem pärkli nicht weit von all den famösen existentialistentreffs, wo sich die mittlerweile auch schon bald vergessenen stenze traffen : léon paul fargue einer der existerrenden, sartre, ein exiterrender, und wie sie alle hiessen : memoryaberrende jetzt oft, manchmal zu unrecht, aber doch erwähnenswert bleibt boris vian, der noch ein büchel geschrieben hat, das lesenswert ist, falls man dieser zeit interesse zeigen will : ‚manuel de st-germain-des-prés’. und léon paul fargue : ‚le piéton de paris’. ungeschlagen ist aber louis sebastien mercier, vor allem wegen seinem, nein eben nicht unbedingt ‚le tableau de paris’ (obwohl auch toll!) aber ‚le nouveau paris’ : das die leute dann aber nicht mehr so sehr goutierten, weil er die zustände nach der revolution beschreibt und darauf hinweist, dass er die revolution vorhergesagt hat usw. : und : im gefängnis war er, der abgeordnete, dann auch, weil er eine petition lanciert hat, die besagte, dass man dem könig den kopf nicht abhauen soll : nicht aus royalistischen gründen, sondern weil er das etwas inhuman fand. er ist ein aufklärer, den ich nicht modern nennen mag, weil da moderts halt auch oft, sondern egotistisch, ganz stendhalsch : und die beiden hätten sich vielleicht auch ganz gut verstanden, wenn sie sich nicht zeitlich etwas verpasst hätten, wie ich alle beide auch, was ich, wie vieles sonst auch noch, bedaure, so etwa, dass dann jean paul nicht auch noch dabeigesessen hätte. oder so. vor lauter bedauern und wünschen geht dann die grammatik manchmal etwas errend : und so sehrfest bedauern ist ja auch nicht, nur ein bitz, weil man kann das alles lesen.]

 

> migration > asyl > etc. > jean paul > stendhal

vice versa

mein lieblingsverweis. nicht zu verwechseln mit ‚vice’ (laster) ‚versa’ (pöm) : also keine lastergedichte, sondern : das andere, das gegenteil ist auch lustig lustvoll. eine gratwanderung, weil manchmal gilt nur das eine, das andere ist aber nicht lustvoll. soviel zum ‚ou mallon’ und rundumallesistschöndenken : ist alles eher vice als verse.

> esoterik > and all the rest of it > metaphysik

[mvs:080221]

vogelhüüsli

Gibt es eine schönere Metapher für die kulturelle Überformung der Natur (nicht „der“ Natur natürlich, sondern „unserer“ Natur, dessen was wir als Natur verstehen, mit unserem immer schon vorgeformten Blick, der weiss, was er erwartet), gibt es also eine schönere Metapher für diese nie Natur gewesene Natur als das Vogelhüüsli? Es zeugt davon, dass wir etwas verstanden haben: Vögel brauchen einen Ort zum Nisten, einen geschützten Raum für ihren Nachwuchs. Und da wir Menschen ihm soviel wildes Territorium weggenommen haben, basteln wir ihm Ersatzschutzräume, Holzverschläge mit Dach, nette Wohnsitze zu ihrem und unserem Vergnügen, inklusive Zwitscher-Idylle vor dem Haus, wenn es mit der Zucht dann funktioniert. Durch einen minimalen technischen Eingriff, durch eine hölzerne Schnittstelle menschlicher und tierischer Triebe und Wünsche (wo ist die Grenze zwischen Trieb und Wunsch?) durch ein Naturspektakel mit Nachhilfe in Form eines menschenhüüsliähnlichen Vogelhüüsli hat sich unser evolutionistischer Kreis wieder geschlossen: Kultur als optimierte Natur. Und dann füttern.


[lh:070922]

SEw nistkastwww
SEw vogelhaus183 8338

vogelhaus in camouflagehosenschrittbaum : wenn vogelhäuser einfamilienhäuser und bäume militärkleider mimikryieren : dann siehts kulturell aus. alles natur.

und ja : wie schon oft erwähnt : vogelerhaltung dient der katzenerhaltung : ‚und wen ich dann gestorben bin, dann möcht ich katzenfutter werden’ - vielleicht wär ja auch eine längere reise möglich : über wurmiges, insektiges zum vogel, dann erst katz. aber in der katz möcht ich schon auftauchen : als spiritus incorrectus : schamlos frech. (auch wenn meine katzen täglich kotzen : ist alles wellt : gäll. und dann färbt alles wieder : auf papier : auch welt. wie könnt es schöner sein.) man möcht gar nichts erklärt haben (ausser als bettlektüre und zum amüsement) : aber so leben möcht ich schon.


[mvs:070924]

> natur / kultur > bauhaus > urne > katzenfutter > wulst

[mvs:071016]

vorkoster

wie könige und andere vergiftungsgefährdete potentaten lasse ich manchmal fleischstücke von meinen katzen vorkosten : nicht, dass ich ihr leben gefährden möchte – aber ich vertraue ihrem geschmacksinn mehr als meinem. und jetzt : wem geb ich all die texte, die rumwimmeln, zum vorkosten?

[mvs:081030]